Mag.
Karl Duffek

Leiter des Karl-Renner-Instituts

* 1962   † 2016

 

Lebenslauf

Karl Duffek wurde am 12. März 1962 in Wien geboren. Nach der Matura studierte er Politik-, Sozialwissenschaften, Germanistik und Anglistik an den Universitäten Wien und im deutschen Hagen.

Er agierte als Autor und Herausgeber zahlreicher politologischer Fachwerke. Zudem war er Mitarbeiter des VSStÖ und Internationaler Sekretär der SPÖ.

Ab 1988 war Duffek wissenschaftlicher Mitarbeiter des Renner-Instituts, ab 1992 dessen stellvertretender Direktor.

Leiter des Karl-Renner-Instituts

Mit 1. Jänner 1999 übernahm Karl Duffek die Leitung des Karl-Renner-Instituts. Er forderte erfolgreich eine kritische Auseinandersetzung um die historische Persönlichkeit des zweifachen Staatsgründers und Namensgebers des Instituts ein. Ob seiner intellektuellen Redlichkeit war Duffek über Partei- und Landesgrenzen hinweg anerkannt und geschätzt. Und vor allem hat er auch Bücher und Musik, vor allem auch klassische, über alles geliebt. Sie waren unverzichtbarer Bestandteil seiner humanistischen Lebensauffassung.

Karl-Renner-Institut

Das Karl-Renner-Institut ist die nach Karl Renner benannte politische Akademie der österreichischen Sozialdemokratie. Es wurde 1972 gegründet und ist seit 1978 im Schloss Altmannsdorf in Wien untergebracht. Das Institut ist als Träger der politischen Bildungsarbeit der SPÖ zu verstehen. Die politische Öffentlichkeit wird durch diverse Publikationen, Diskussionsveranstaltungen, Enqueten und Vorträge angesprochen. Eingebunden werden auch Experten und Multiplikatoren. Wichtig ist hierbei die internationale Bildungsarbeit. Es gibt auch Workshops und individuelle Beratungen für Funktionäre, Mandatsinhaber und Mitarbeiter der SPÖ. Dabei geht es um Unterstützung für die lokale politische Arbeit, Diskussionen zu politischen Streitthemen und um Hintergrundinformation zu aktuellen politischen Fragen.

Das Karl-Renner-Institut würdigt Karl Duffek mit einem Porträt auf der Website des Instituts.

Vordenker der Sozialdemokratie, Bildungssekretär

Laut Hannes Swoboda, einem langjährigen Europapolitiker der SPÖ, machte Karl Duffek der Widerspruch zwischen seiner absoluten Loyalität zur Partei und seiner intellektuellen Redlichkeit sehr zu schaffen. Es ist Karl Duffek hoch anzurechnen, dass er immer wieder versucht hat, diesen Spagat zu schaffen.

Karl Duffek gilt als Vordenker der Sozialdemokratie und war maßgeblich an der Entwicklung des Grundsatzprogramms der SPÖ von 1998 beteiligt. Von 1998 bis 2001 war er außerdem Bildungssekretär der Partei.

Karl Duffek darüber, was ihm an der ÖVP gefällt

Im April 2015 stellte sich Karl Duffek einem Streitgespräch mit dem Parteidirektor der ÖVP, Dietmar Halper, das vom “Profil” aufgezeichnet wurde.

"Die Volkspartei hat aus der Geschichte gelernt. In der Ersten Republik haben beide Parteien Fehler gemacht, vielleicht in unterschiedlichem Ausmaß. Wir hatten zwei Faschismen. Nach 1945 ein politisches demokratisches System zu formen, war eine große Leistung - von der ÖVP und von uns.”

Karl Duffek über die SPÖ-Ideen der Umverteilung

“Die Frage ist, wie groß die Differenzierung in einer Gesellschaft sein darf. Absolute Gleichmacherei hemmt eine Gesellschaft. Aber Spaltungen sind auch nicht produktiv. Unser funktionierender Sozialstaat ist vor allem eine Errungenschaft der Sozialdemokratie. Und deswegen sind wir sensibel, wenn hier eine Erosion droht.”

Karl Duffek über Liberalismus in Österreich und die NEOS

“Wir haben kein genuin liberales Lager in Österreich, was natürlich mit der Vernichtung des jüdischen Bürgertums zu tun hat. Die entscheidende Frage wird sein: Welche Definition von Liberalismus geben sich die NEOS? Damals beim Liberalen Forum gab es die Wirtschaftsliberalen und jene, die Kreuze aus den Klassenzimmern entfernen wollten, und das passte nie zusammen. Eine liberale Partei hat auf Dauer nur eine Chance, wenn sie ein eindeutiges Profil hat.”

Karl Duffek über das Parteiprogramm der SPÖ

“Eigentlich ist die Diskussion über das Parteiprogramm spannender als das Programm selbst. Bei uns gibt es dabei etwa eine Gesprächsrunde zwischen Bundeskanzler Werner Faymann und jungen Aktivisten, die nur aufgrund der Programmdebatte so lebendig ist. Beim Programmschreiben selbst muss man die richtige Distanz zur Tagespolitik haben: Nicht zu sehr day-to-day, aber ich kann auch nicht irgendetwas schreiben, was mit der täglichen Politik der SPÖ nichts zu hat. Wenn ich etwa die Weltrevolution ausrufe, werden mich alle fragen, ob ich noch ganz dicht in der Birne bin.”

Tod

Karl Duffek starb am 7. August 2016 nach kurzer schwerer Krankheit in Wien.

Christian Kern über Karl Duffek

Christian Kern, seines Zeichens Bundeskanzler, würdigte Karl Duffek in einer ersten Reaktion auf seinen Tod.

"Diese verantwortungsvolle Position nahm er stets kompetent und mit viel Verantwortungsgefühl wahr und trug dazu bei, dass das Karl-Renner-Institut auch über die Parteigrenzen hinaus anerkannt ist"

Trauerreden

Ernst Stetter hielt am 25. August 2016 im Rahmen der Trauerfeier für Karl Duffek eine Trauerrede. Der Journalist Klaus Nüchtern erzählte in seiner Trauerrede auch von seiner Freundschaft mit Karl Duffek.

Grab am Zentralfriedhof

Das Grab für Karl Duffek befindet sich in der Gruppe 2, Reihe 14, Nummer 49 des Wiener Zentralfriedhofs.

Weblinks

Wir erinnern uns

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Mag. Karl Duffek nieder zu schreiben.

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Erinnerung von Evelyn BREITENEDER   30.08.2016

Warum nur habe ich versäumt, Dich nach unserer Zeit in der ÖH-Vertretung an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien wieder zu sprechen.

Erinnerung von Elisabeth Hakel   24.08.2016

... erst vor ein paar Wochen hatten wir ein spannendes Gespräch über die Sozialdemokratie und die internationale Politik und ob es diesen Zusammenhalt auf internationaler Ebene noch gibt und was sich verändert hat, in den letzten Jahrzehnten. Es hat so viel Spaß gemacht mit ihm darüber zu diskutieren ... Unzählige politische Stationen meines Lebens verbinde ich mit ihm. Karl, du wirst mir fehlen!

Erinnerung von Andreas Schieder   21.08.2016

Ich habe Karl Duffek sehr geschätzt und gemocht. Er war ein außerordentlicher intellektueller Denker, extrem belesen und daher immer ein bereichender Diskussionspartner.
Karl Duffek hat auf internationaler und europäischer Ebene großes Ansehen genossen und wesentlich zum erfolgreichen Start der europäischen Stiftung FEPS beigetragen.
Karl Duffek hat auch die nötige Portion Humor die man als Intelektueller im politischen Alltag dringend braucht.

So sehr die Nachricht von seinem Tod überrascht wird er auch eine Lücke hinterlassen.

Erinnerung von Hannes Swoboda   19.08.2016

Noch lange werde ich Karl Duffek vor mir sehen: mit einem Sackerl voll Bücher und CDs und einem zufriedenen Lächeln, wenn er etwas Interessantes gefunden hat. Das war Ausdruck seiner unbedingten Liebe zur – politischen - Literatur und zur Musik. Nicht das Populäre und das Modische hat ihn interessiert, sondern der Inhalt und die Qualität. Dabei war er nie dogmatisch sondern immer kritisch und auf der Suche nach Alternativen und dem Besten. Kultur war Bestandteil seines täglichen Lebens und nicht nur etwas für Festtage. Und das galt für ihn auch in der Politik: immer war er auf der Suche nach Inhalten und Qualität. Da kam er dann oft in Widerspruch zur Forderung nach schnellen Antworten und einfachen, populären Lösungen. Dieser Widerspruch war und ist unauflöslich. Er versuchte, so gut er konnte, die Loyalität zur sozialdemokratischen Bewegung einerseits und die Loyalität zu seinen hohen Ansprüchen hinsichtlich intellektueller Redlichkeit anderseits zu verbinden.

Erinnerung von Josef Lentsch   17.08.2016

Ich halte Karl Duffek in Erinnerung als immer freundlichen, klugen und humorvollen Kollegen. Das Renner Institut und die SPÖ verlieren mit ihm einen stets wachen und kritischen Geist, und eine von allen Seiten geschätzte Persönlichkeit. Ruhe in Frieden.

Erinnerung von Egon Humer   16.08.2016

Ich habe Karl Duffek bei der Kooperation zwischen literatutTV.at und dem Renner Institut kennen und schätzen gelernt. Mein bleibender Eindruck: klug, belesen, engagiert für eine bessere Welt - dabei angenehm und verbindlich im Umgang.